The High Spirits

Gitarre: Paul (Taffy) Behler

Keyboard: Cornelius (Conny) Hudalla

Bass, Dietrich (Diddi) v. Plettenberg

Schlagzeug: Lothar (Lanky) Pohlschmidt


Randgeschichten der hohen Geister


Paderborn/Schloß Neuhaus, 1967. "..Eine Band muß heute aus vier Musikern bestehen. Zu dritt wird Sie keiner nehmen..." So der Wortlaut einer Agentur in Hamburg. "...Schließlich sind Sie nicht Jimmy Hendrix..." Na, welch' Vergleich! Schnell eine Anzeige in der "MP" aufgeben. "Profiband sucht Orgelspieler". Orgelspieler ? Ja, Orgelspieler. Den Begriff "Keyboard" kannte man noch nicht. Also eine Besetzung wie die Small Faces, das wäre schon Klasse. Da kam dann auch einer aus dem Hamburger Raum, der nur laberte. Er quatschte uns mundtod und vom Spielen hatte er keine Ahnung. 'Ne "Orgel" hatte er natürlich auch nicht. Als wir ihm den Ausgang zeigten, klaute uns der Hund zu guter Letzt noch einen Verstärker. Ganz schön linke Bazille! Die Zeit verging und wir wollten doch endlich loslegen. Aber im Paderborner Umfeld gab es ja doch noch jemanden. Conny! Den kannte hier eigentlich jeder. Conny war eine "schillernde Figur" (aus Münster), der mit seiner Neuenhersener Pennäler-Band Schluß machte, die Gitarre in die Ecke stellte und als Organist bei uns einstieg. Conny, nicht nur ein prima Kumpel sondern auch ein Typ, dem die Mädels hinterher liefen, blond, lange Haare... Das kam an.

Unser Manager und Fahrer Jo Güthoff machte nun die "Gigs" (den Ausdruck gab's damals auch noch nicht) klar und los ging's in seinem VW-Bus, dessen Heizung sehr zu wün-schen übrig ließ. Die Tour ging nach Marburg, Gießen, Grafenwöhr und Mannheim.

Conny und Hilla
Die beiden waren wie Feuer und Wasser. Hilla mit langem, dunkel gefärbtem Haar sah etwas aus wie Cher. Und Conny wusch sich die blonden Haare oben in der Toilette vom Kaufhof. Unser Scene-Treff war die "Kümmelecke" bei Franko, dem italienischen Wirt. Dort beschäftigten sich Conny und Hilla ausgiebig mit Knutschen und Zanken. Also nee..! Die beiden müssen sich wohl wieder einmal im Zoff getrennt haben, denn auf der Tour zu unseren Gastspielen war Conny ziemlich "knirsch".
In Grafenwöhr (Oberbayern) wurden gastierende Musiker üblicher Weise bei ansässigen Familien in bereitstehenden Zimmern untergebracht. Ich sehe noch den Schrank vor mir, auf dessen Türen sich von innen unzählige Bands und Musiker verewigt hatten. Hier in Grafenwöhr waren amerikanische Truppen stationiert und die Bands spielten ständig in mindestens zwei Clubs. So auch wir. In dem einen gings täglich los ab 18 Uhr (gemischtes Volk). Der andere war schon etwas feiner und wurde nur am Wochende ab 20 Uhr besucht. Dort mußten wir im "guten Fummel" auftreten.
Conny hatte Sehnsucht nach Hilla und war eigentlich nach einem oder zwei Bier schon ganz schön breit. Das fiel auf ! Schreit uns doch plötzlich der Wirt an "...bei den schiefen Tönen gehen meine Gläser kaputt...!" Conny!!! Tagsüber in unserem Zimmer spielte sich dann folgendes ab: Conny, leidend im Hilla-Entzug ruft lauthals "...ich bringe mich um...!" Und er fuchtelte nervös mit seinem Schlips herum. Jetzt ging bei uns 'ne Lampe an, denn wir kannten ihn ja diesbezüglich, wenn's mal wieder soweit war. Komm, mach' keinen Scheiß, versuchten wir zu beschwichtigten. Und irgendwie bekamen wir ihn dann wieder hin.
Eigentlich war in Grafenwöhr nichts weiter los. Das Leben wachte erst abends auf. Zumindest für uns. Plötzlich sagte irgend jemand, da sind zwei Mädchen angekommen und suchen einen gewissen Conny. Kennt ihr den...? Ha! Haaa! Hilla hatte sich eine Freundin geschnappt und trampte mit ihr von Paderborn bis Grafenwöhr. Dem Himmel sei Dank! Da waren wir froh und endlich gerettet.

Eingetretene Scheinwerfer
Jo steuerte seinen kalten VW-Bus nach Mannheim. Eine etwas merkwürdige Adresse, die wir nun aufsuchen sollten. "Zum Imbiß". Wie jetzt?! Soll'n wir etwa in einer Würst-chenbude Twist and Shout spielen ? Ne ne, der Imbis war vorne und dahinter gab es einen Raum, wo die Sau raus gelassen wurde. Hier fehlen mir einige Erinnerungen, wie z.B. der Name der Band, die dort gerade spielte und ob wir eigentlich überhaupt auch selbst dort auftraten. Fest steht aber, daß diese dortige Band mit sich im Klintsch lag. Lothar (Lanky) und ich kamen mit den Jungs ins Gespräch. Wollt ihr nicht bei uns einsteigen? Wir brauchen einen Drummer und Bassisten, fragten sie uns. Bei uns lief auch nicht mehr alles so rosig, wie am Anfang und wir überlegten sogar, ob wir auf das Angebot eingehen sollten. Wahrscheinlich überlegten wir zu laut, denn es folgte eine fatale Auseinandersetzung mit dem Rest unserer "hohen Geister", den High Spirits. Das Ganze draußen auf dem Parkplatz vor dem Imbiß. Wir fetzten uns! Im Hand- und Fußgemenge trat Lanky in seiner überschäumenden Wut die Scheinwerfer unseres Bully's ein. An beiden Seiten hingen die "Augen" nur noch an den Plus- und Minus-Strippen. Danach wurden Lanky und ich "einfach verlassen", denn die anderen fuhren ohne Licht auf und davon und wir standen nun etwas dumm herum - auf dem Parkplatz - vor dem Imbiß - mitten in Mannheim - allein - Der Lanky und ich - sehr spät abends .... So ein Scheiß!

Der Flattermann
Wohin, überlegten wir. Nun hatten wir ja zu Beginn der Tour mehrere Tage in der "Hacienda-Bar" in Gießen gespielt und auch dort übernachtet - über der Bar. Sehr wohl waren uns auch noch die aufreizenden Bedienungsmiezen im Gedächnis, die wir gern auf's Zimmer gezerrt hätten. Ich weiß gar nicht mehr, ob das mal geklappt hatte (!) Wahrscheinlich nicht. Dahin jedenfalls wollten wir zurück. Vom Mannheim nach Gießen dürften es etwa 120 km sein. Also Trampen. Schwer zu sagen, wie lange wir am Rand der Autobahn entlang liefen und den Finger ‚raus hielten. Es war duster, kalt und Kohldampf hatten wir auch. Und das nicht zu knapp. Irgendwann kam eine Raststätte, in der wir allerdings sehr ungern gesehen waren. Wir, zwei Penner mit langen Haaren, ohne jeden Groschen und mit Ringen unter den Augen, setzten uns etwas abseits hin und ließen den Kopf vor Müdigkeit in die verschränkten Arme auf dem Tisch sinken. Da stieß uns jemand an und vor uns stand plötzlich ein halbes Hähnchen. Nää!!! Lanky, siehst Du dasselbe wie ich ?? Ich glaube, ja!!

Was wohl jetzt die ander'n machen, fragten wir uns.

Nach dem gierig und in Windeseile verdrückten halben Flattermann ging's zurück auf die kalte Autobahn. Finger raus ! Wir hatten Glück. In den frühen Morgenstunden fuhren die ersten zur Arbeit und einer hielt sogar an. Wohin? Nach Gießen. Einsteigen. Hinten lagen in einem Beutel fertig belegte Stullen. Die habe ich sofort und unauffällig unter die Jacke geschoben. Ein Stück vor Gießen stiegen wir aus und teilten uns den Happen. Den Rest sind wir, soviel ich weiß, bis nach Gießen gelaufen. Das hat noch eine ganze Weile gedauert und es war bereits fast Mittag. Kohldampf! Das Schlimmste war sowieso immer dieser Kohldampf! Da hatten wir eine "gute Idee".

Armbanduhr und Versöhnung
Inzwischen in Gießen angekommen, standen wir nun vor einem Restaurant und feilten noch an den Feinheiten unserer Vorgehensweise herum. Dabei ist es doch so einfach. Man kämmt sich die Haare, entfernt die Fusseln vom restlichen Outfit und hat etwas Mut.
Rein in die gute Stube. An welchen Tisch? Ach der hier hinten ist ganz gut. Ok. Flugs kam der Ober mit den Karten. Was nimmst Du?, frage ich Lanky. Schweineschnitzel mit Kartoffeln, Rosenkohlbeilage und Champignon-Soße.....ja, und'n Pils. Als Dessert die Tages-Cremespeise. Jut, das nehme ich auch. Flugs kam der Ober und nahm, vielleicht etwas skeptisch aber gehorsam unsere Bestellung auf. Jetzt isses passiert. Ein unauffällig aber leicht bitterer Blick zu Lanky: Meinste, ob das gut geht? Ach klar. Wenn wir erstmal die Hälfte verdrückt haben, können wir auch besser verhandeln. Verhandeln! Schluck! Was wohl jetzt die anderen machen...
Wie fühlst Du Dich...? Ach, schon viel besser, sagte ich. Aber jetzt müssen wir mal langsam unsern Plan abfahren. Jeder hatte inzwischen gut die Hälfte verputzt. Und so war es auch verabredet. Etwas mulmig war mir schon.... Beginn der Scenerie: Die Stimmen etwas lauter als normal, damit man auch an den Nebentischen unser "Entsetzen" mitbekommt.

"..ACH DU SCHANDE, JETZT HABE ICH DAS GELD IM HOTEL LIEGEN GELASSEN...!" Und Lothar: "...AU BACKE, ICH AUCH..." JETZT MÜSSEN WIR GLEICH MAL BESCHEID SAGEN...ACH, IST UNS DAS ABER PEINLICH...!"

Lanky ließ die Gabel fallen und ich sah ihm nach, wie er vorn mit dem Wirt herum gestikulierte. Solange diese Scene davorn ablief, bekam ich keinen weiteren Bissen herunter. Endlich kam Lanky zurück. Nu sach schon, was ist los ??? "Ich habe meine Armabnduhr als Pfand da gelassen. Bis morgen müssen wir alles bezahlt haben." Wir riefen in der Hacienda-Bar an. Und wer war dort? Jo, Taffy und Conny! Es dauerte nicht lange, da waren die Jungs im Restaurant und Jo löste uns aus. Versöhnung!! Lanky hatte seine Uhr zurück und satt waren wir auch. Ab nach Paderborn, wo die Musterungsbescheide in den Hausbriefkästen auf uns warteten.


Die High Spirits gab es damals parallel zu den Safaris. Ebenfalls in Paderborn. Nach dem Ende der Safaris wechselte ich zu ihnen.


The High Spirits 1984

Im Jahr 1984 wurde in der alten Paderborner Paderhalle eine "Beatband Night" veranstaltet, in der sich alle damaligen Bands aus den 60er Jahren aus Paderborn noch einmal die Ehre gaben.

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