Die Geschichte der Kleinen Weltlaterne

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Termine 2018 folgen bald

Der Dokumentarfilm

Teil 1 "Der Trampelpfad der Künste"

und

Teil 2 "Thadeus, Sonnenstern & Co"


Der Ort: Die Kleine Weltlaterne, Nestorstr. 22, 10709 Berlin

Eintritt Frei


Beide Filme mit Pause jeweils an einem Abend

Mittwoch, 17. Mai, 21 Uhr

und

Mittwoch, 18. Okt. 21 Uhr

Thadeus

Fr.Schr.-Sonnenstern

Die Fiedlers

Ingo Insterburg

Hertha Fiedler


Teil 1 + 2 (produziert 2011/12)


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Die Interviews


Der Maler Sigurd Kuschnerus. Er benutzte den Kreuzberger Trampelpfad bereits vor der "Geburt" der Kleinen Weltlaterne. Erst als sie so hieß, gehörte er von Anfang an zu der sich dort bildenden Gemeinde. Das war 1961. Die Ziele waren vorher die "Zinke" (1959 gegr.), "Delirium", "Malkiste" oder "Die Nulpe". Da war er Mitglied im Kreis von Literaten und aufstrebenden Künstlern. Zu dieser Zeit wohnt Kuschnerus in Kreuzberg und es entstanden unzählige Portraits der Weggefährten, Bilder von Berliner Wohngebieten und Landschaften.

Ich fahre mit Ingo Fiedler in die Uckermark, nach Milmersdorf ("Wilmersdorf ohne Zähne" sagt Kuschnerus). Eine übrigens recht abenteuerliche Fahrt! Da jedenfalls wohnt heute Sigurd Kuschnerus mit seiner Frau Barbara. Nach der Wende erhöhte sein damaliger Hausbesitzer in Kreuzberg die Miete um 400 %. Dem hat er einfach 'nen Vogel gezeigt und sich dann im Umland umgesehen. Jetzt 5000 qm Garten und Haus und - Eigentum! Das Atelier ist großräumig mit verglastem Schrägdach. Staffeleien und Zeichentische, Werkzeuge... Wir trinken Tee. Als die Kamera aufgebaut ist, kommen die Geschichten von früher auf den Plan. Einen idealeren Gesprächspartner als Ingo hätte ich mir hier gar nicht vorstellen können. Durch die Kleine Weltlaterne und den bis heute sehr verbundenen Künstlern ist etwas bewahrt worden, was erzählt werden muß.


Ingo Fiedler. Der Vater des Geschehens - neben Hertha natürlich. Aber er brachte den Namen "Die kleine Weltaterne" ins Spiel. Peter Bamm, der Weltreisende und Schriftsteller gab einem seiner vielen Bücher schon Jahre zuvor diesen Namen, weil er mit der Laterne die Kulissen dieser Welt beleuchtete, im übertragenen Sinne. Wir machten mit Ingo einen Termin in seiner Villa am Wannsee, damit wir von ihm die Geschichte der Anfänge des Geschehens erfahren. Bei Kaffee und Kuchen erzählt er uns von den ersten Jahren. An den Wänden dicht an dicht hängen die Relikte der turbulenten Jahre. Künstler wie Schröder-Sonnenstern, Märchen, Weitemeier, Schindehütte und so viele mehr... Ingo war in all den Jahren der Praktiker in Sachen Kneipenaufbau. Er sagt, "wir machten Arbeitsteilung. Hertha und Sohn Bernd machten die Kneipe und ich baute die "Schöneberger

Weltlaterne" in der Motzstraße und den "Zwiebelfisch" am Savignyplatz nach und nach auf." Vor uns liegen Fotos über Fotos. In seiner Mimik spiegelt sich die damalige Zeit grinsend ab. Wir haben alles im Kasten und sind unterwegs zum nächsten Termin...

Damit fing alles an. In den Erzählungen "Die kleine Weltlaterne" erzählt der weltreisende Peter Bamm von "Tekengesprächen", die eine Initialzündung bei Ingo Fiedler auslöste.

60er Jahre - Ingo und Hertha Fiedler vor der Kreuzberger Weltlaterne

Willi Klein der Fernsehmann

Oberkellner Tadeusz

Weltmeister Horst Ehbauer

Auch sie prägten das Bild der Künstler-Bohème in der kleinen Weltlaterne. Ganz besonders der Kellner Tadeusz, der alle Fassetten der Dreistigkeiten dem Publikum nicht vor enthielt. Um ihn ranken sich die abstusesten Geschichten. Willi Klein kam meist mit seiner Drehorgel und pfiff gellend durch die Zähne. Er war schlichtweg ein Komiker mit der heute so vermißten Berliner Hinterhof-Schnauze. Und dann Horst Ehbauer. Der sitzt ganz normal am Tisch und plötzlich zieht er seinen kompletten Unterkiefer über das halbe Gesicht nach oben. Das fanden dann auch alle komisch.... Richtig... er soll Weltmeister im Grimassenschneiden gewesen sein.

Die Kleine Weltlaterne 1961 in Kreuzberg

Die Kreuzberger Weltlaterne heute


Rolf Eden, Playboy. Wer kennt ihn nicht...! Und fehlen darf er in unserer Dokumentation natürlich erst recht nicht. Schon bevor Hertha Fiedler in Kreuzberg anfing, hatte er schon seine erste Kneipe am Kurfürstendamm. Ich rufe ihn an und frage, ob er uns etwas über die damalige Zeit erzählen möchte. "Wann immer ihr wollt..", sagt er und ein paar Tage später sind wir zu Gast auf seinem Privat-Sofa in Dahlem. Wenn einer der König unter den Berliner Nachtclubs war, dann er. Der Kurfürstendamm war vielseitig bestückt mit Eden Saloons und jeder kannte seine Läden. Aber wer war die Königin, fragen wir.. "Natürlich Hertha Fiedler, sie hat es wunderbar verstanden, eine Mischung aus bildender Kunst und Jazz in Szene zu setzen." Rolf Eden hat die kleine Weltlaterne

stets besucht, zu sehen, wie machens die anderen. Wir fahren mit Rolf in seinem Rolls Roys eine Runde über den nächtlichen Kurfürstendamm. Aus seinem Revier heraus, dem KuDamm, war es ab 1976 nur noch ein Steinwurf zur Nestorstraße, in die die Kneipe umzog. So erzählt er wärend der Fahrt und zeigt dabei auf den Leniner Platz, "hier war der Playboy Club". An der Schaubühne vorbei, die übrigens früher mal sein Eden-Theater war, sind wir auf dem Weg zur Nestorstraße, zur Kleinen Weltlaterne. "Donnerstags bin ich immer hier, da spielen gute JazzBands". Das macht er tatsächlich seit all den Jahren. Diese Kneipe ist für Rolf ein Pflichtprogramm. Wenn er da ist, dann sitzt neben ihm seine Brigitte "Cherié", oder eine andere schwarze Blondine. Und dann ist er einer von allen, die da sind.

Aber da gibts noch einen anderen Grund für den Playboy. Er greift gern zum Mikrofon und singt ein paar Oldies bzw. seine eigenen hausgemachten Liedstücke, wie man sie von ihm kennt. Ein Partylöwe, der innerhalb von Augenblicken mit seinem Charme das Publikum auf seiner Seite hat. "Was willst Du trinken?" spendiert es aus seinem Mund und er kauft auch Bilder. Rolf Eden, die letzte schillernde Figur in dieser Stadt lebt, was das Zeug hält - und - den kannste auch anfassen. Der beißt nicht. - Wir sitzen noch da und warten auf den Playboy, bis er seine Gesangsnummern durch hat. Die Kamera ist schon bereit und dann kommt er. Angesprochen auf den Unterschied zwischen Geschäftslebigkeit und Bürgernähe sagt er: "Ich bin doch das Volk!"

Ende 60er Jahre - Rolf Eden in seinem Playboy Club mit Ingrid Steeger (rechts)


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